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Alles zum Angeln mit modernen Kunstködern

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Drop Shot vom Ufer

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ImageEigentlich ist alles ganz einfach: Die Rute ist montiert und der vermeintliche Erfolgsköder hängt am Haken. Die Montage ist ein ganz normales Drop-Shot-Rig, wie es in der Montageanleitung gezeigt wird, man benötigt keine abgewandelte Montage. Jetzt muss der Köder nur noch zum Fisch und schon kann der Tanz losgehen. Eine allgemeine Aussage, wie man zu angeln hat, gibt es eigentlich nicht. Die eigene Art und Weise, zu fischen, ist das Ergebnis von Beobachtungen und Erfahrungen, die in vielen Stunden am Wasser gemacht wurden und werden. Diese hängen von so vielen Faktoren ab, dass jeder seine eigene Technik entwickelt. Natürlich, grundsätzlich sind Geräte und Montagen sehr ähnlich, aber im Detail gibt es Unterschiede.

ImageTatsächlich ist jeder von uns davon überzeugt, dass die eigene Methode die beste ist. Fische fangen wir alle, mal mehr, mal weniger, aber immer gilt: Wer Erfolg hat, hat recht. Vielleicht sind es wirklich kleine Unterschiede in der Köderpräsentation, die einen Angler an einem speziellen Tag erfolgreicher als seine Kollegen machen, vielleicht spielt dabei aber manchmal auch Glück eine größere Rolle, als man zugeben mag. Die endgültige Antwort auf die Frage nach einer Angeltechnik, die immer und überall funktioniert gibt es (zum Glück) nicht. Trotzdem glaube ich, dass es bestimmte Erfahrungen oder Erfolgsfaktoren gibt, die anderen Anglern, insbesondere Einsteigern, helfen können.

Der Uferangler steht zunächst vor demselben Problem wie sonst auch. Der Köder muss mit einem gezielten Wurf an den ausgewählten Spot zum Fisch. Doch was dann? Er hat im Regelfall einen deutlich größeren Abstand zum Köder als der Bootsangler, vor allem wenn weitere Würfe gemacht werden müssen. Die verwendeten Bleigewichte richten sich nach der benötigten Wurfweite, Wind und eventueller Strömung, eine allgemeine Aussage ist leider nicht möglich. Reichen im flachen Uferbereich drei Gramm, können im Strom durchaus auch dreißig oder vierzig Gramm notwendig sein. Das Blei lässt man am besten kontrolliert an gespannter Schnur absinken, damit erst gar kein Tüddel oder ein übergroßer Schnurbogen entstehen kann. Ist das Blei am Grund, wird die Schnur gespannt, bis man das Gewicht des Bleies leicht spürt. Durch den unvermeidbaren Schnurbogen wird mit steigender Wurfweite der Köderkontakt etwas indirekter und eine genaue Führung schwieriger für den Angler. Das macht aber gar nichts, denn die Montage ist immer noch viel sensibler als jede andere Angelmethode und das wichtigste ist, dass sie sehr gut funktioniert. An dieser Stelle ist es notwendig, zunächst einmal mit einem weit verbreiteten Vorurteil aufzuräumen. 

ImageAllgemein scheint in deutschsprachigen Publikationen und Foren im Moment die Meinung vorzuherrschen, dass das Drop-Shot-Rig besser oder sogar ausschließlich vertikal funktioniert. Natürlich wird es zum Schwarzbarschangeln meist vom Boot eingesetzt, aber die Behauptung, dass es vom Ufer schlechter einsetzbar sei, ist eine immer wieder abgeschriebene, theoretische Idee von Leuten, die anscheinend kaum praktische Erfahrung haben. Begründet wird diese Meinung mit der Vorstellung, dass der Winkel zwischen Schnur und Gewässergrund mit steigender Wurfentfernung immer spitzer wird. Dieser Effekt wird stärker, je größer die Entfernung und je flacher das Wasser an der Angelstelle sind. Dazu werden dann in einigen Artikeln Diagramme gezeichnet, die aber alle den gleichen Fehler beinhalten, dass ein linearer Schnurverlauf zwischen Blei und Rutenspitze unterstellt wird. Das ist aus verschiedenen Gründen absolut unsinnig: Das Blei ist in der Regel nicht so schwer, dass es wie ein Anker das Gewicht der Schnur tragen und eine vollständige Straffung ermöglichen würde. Dass heißt, im Normalfall hängt die Schnur von der Rutenspitze bis zur Wasseroberfläche in einem Bogen durch. Dazu hat die Schnur unter Wasser ein Eigenleben: Geflochtene schwimmt und Mono sinkt. Die Geflochtene treibt also auf einem erheblichen Stück an der Oberfläche, bevor sie überhaupt unter der Oberfläche verläuft. Dort steht sie in einer Art Bogen über dem Blei, weil dieses fast senkrecht abgetaucht ist und die auftreibende Schnur zur Oberfläche strebt. Ganz anders bei Mono, die sinkt und strebt nach kurzer Zeit dem Gewässergrund zu. Je langsamer man fischt, desto stärker wirkt sich dieser Effekt aus. In der Strömung kommt ein weiterer Effekt hinzu, die Strömung drückt den Köder unweigerlich zum Grund, wenn die Spannung der Montage nicht „mit Gewalt“ gegen ein viel zu schweres Blei aufrecht erhalten wird. 

ImageDiese Ausführung zeigt, wie viele unsinnige Gedanken man sich beim Angeln machen kann, denn die gute Nachricht lautet, dass es absolut egal ist. Selbst wenn den Köder nur noch Zentimeter vom Gewässergrund trennen, kann man ihn noch attraktiv präsentieren. Im Gegenteil, oft senke ich bei der Uferangelei absichtlich die Rutenspitze, um den Köder besonders grundnah zu führen oder die Schnur aus dem Wind zu nehmen. Das funktioniert wunderbar, denn die Fische wissen scheinbar noch nicht, dass sie ein kleines Lebewesen, dass am Grund herumzappelt, unattraktiv finden sollen.  

Durch die größere Entfernung und den Schnurbogen kommt von den Aktionen mit der Rutenspitze deutlich weniger beim Köder an als bei der vertikalen Präsentation. Die Zupfer dürfen auch mal deftiger ausfallen als beim Bootsangeln, und der Köder darf auch ruhig mal ein Stück weit deutlich beschleunigen. Aber ich lege trotzdem regelmäßig Pausen ein, in denen der Köder auf den Grund sinken kann. Zwei, drei Zupfer, absinken lassen, zwei drei Zupfer…. Zwischendurch kann man den Köder auch einfach auf der Stelle tanzen lassen, indem die Zupfer in die leicht lose Schnur gesetzt werden, um das Blei möglichst wenig zu bewegen. Kommt der Köder wieder in Ufernähe, wird aus der horizontalen Köderpräsentation langsam eine vertikale, die Bewegungen können spärlicher dosiert werden. Verallgemeinern kann man diesen Punkt nicht, aber man muss nicht am Köder reißen, wie man es manchmal bei Anglern sieht, die sonst mit einem Jig fischen. Zupfer meint eine Bewegung der Rutenspitze aus dem Handgelenk, kein wildes Herumgefuchtel. Der Rest ist Erfahrungssache und hängt auch von der Tagesform der Fische ab, aber allgemein würde ich sagen, dass etwas Abwechselung nicht schadet. Ein Test im flachen Wasser hilft ungemein, die Reaktion des Köders unter Wasser abzuschätzen. Ich fisch auf diese Weise in nur einen Meter tiefen Wasser eines kleines Ablaufgrabens, genau wie in den großen Schiffahrtsstraßen. Der wichtigste Unterschied ist wirklich das Bleigewicht, es gibt keine "Geheimtricks".

ImageDas ist eigentlich auch schon alles. Stellt sich trotzdem kein Erfolg ein, versuche ich, die Geschwindigkeit der Bewegungen zu variieren. Hilft auch das und ein Köderwechsel nicht, versuche ich etwas ganz anderes, denn manchmal kommt es mir so vor, als würde die insgesamt doch langsame Köderpräsentation an bestimmten Tagen schlicht und ergreifend nicht gut funktionieren. Das passiert nicht oft, aber es kommt vor.

Vielleicht noch ein paar Worte zum verwendeten Gerät: Die Montage entspricht, wie eingangs angedeutet, der ganz normalen Standardmontage. Auch der Abstand vom Blei zum Köder ist ähnlich und liegt so um die 40 bis 50 cm. Ich benutze auch vom Ufer in der Regel kurze, um die zwei Meter lange, Spinnruten mit einer Spitzenaktion, weil ein solches Gerät deutlich handlicher ist als die üblichen 2,70 Spinnruten. Die Köderführung fällt mir damit leichter und außerdem ist durch die kurze Rute der Schnurbogen kleiner. Lediglich bei der Fischerei von extremen Steinpackungen kann eine längere Rute Vorteile haben, weil die Fische im Drill besser von den gefährlichen Steinen im Flachwasser ferngehalten werden können. Grundsätzlich benutze ich eine geflochtene Schnur, weil ich mit Monofiler einfach kein Gefühl dafür habe, was der Köder gerade macht und ich das "schwammige" Gefühl nicht mag. Es funktioniert ziemlich sicher auch ohne Geflecht, aber das muss jeder für sich selbst ausprobieren.